Führerscheinprüfung

Angst vor der Führerscheinprüfung

Die Führerscheinprüfung ist für viele nach der Schule eine lebensverändernde Erfahrung der erste Schritt zu mehr persönlicher Freiheit und  Selbstbestimmung. Man kann dann selber dahin fahren, wo man hin möchte. Wenn es da nicht ein Hindernis unter dem viele leiden. Eine Unzahl an Menschen wird von Prüfungsangst gequält , und doch ist sie selten Thema in der gesellschaftlichen Debatte. Dabei ist ein offener Umgang mit Versagensängsten und Lampenfieber ein erster Schritt hin zur Verbesserung der belastenden Situationen für Betroffene. Doch in unserer Leistungsgesellschaft hat dieses Problem keinen Platz. Wer nicht unter Prüfungsangst leidet, kann dies nur schwer nachvollziehen. Doch gut gemeinte Ratschläge wie: „Nimm es doch nicht so schwer!“ oder „Ach, so schlimm wird das schon nicht“ bringen die Leidtragenden nicht weiter. Wer seine Angst in den Griff kriegen will, ist meist auf professionelle Hilfe angewiesen. Eine der ersten gravierenden Prüfungssituationen für junge Menschen ist sicherlich die Führerscheinprüfung. Dementsprechend groß ist bei vielen im Vorfeld die Anspannung, die sich auch in regelrechter Angst äußern kann. Kein Wunder, bedeutet das Bestehen doch schließlich ein großer Entwicklungsschritt hin zu individuellen Freiheit und Abgrenzung gegenüber dem Elternhaus. Daher ist es umso wichtiger, diese Prüfung erfolgreich zu absolvieren – vor allem auch, weil sie als eine der ersten prägend sein kann für den weiteren Lebensweg.

In der Fahrstunde gut, in der Prüfung panisch

Doch allein die Aussicht auf die Führerscheinprüfung bereitet Fahrschülern Schweißanfälle, einen flauen Magen und schlaflose Nächte. Die Gefahr, hier zu versagen, ist schließlich nicht gering. Nur wenige Fehler genügen bereits und die Führerscheinprüfung ist erfolglos zu Ende gebracht. Wer in dieser ohnehin angespannten Situationen dann auch noch mit übermäßiger Angst zu kämpfen hat, wird sehr viel wahrscheinlicher durch die Prüfung fallen, als ein gelassener Prüfling.
Und damit ist es nicht getan: Die vergeigte Prüfung führt zu weiteren Fahrstunden, die Situationen des Scheiterns werden immer wieder neu durchlebt und gipfeln schließlich in einer neuen Prüfung. Und dass es diesmal klappt, ist längst nicht gesagt. Vielmehr haben sich Angst und Panik mittlerweile meist so ins Unermessliche gesteigert, dass ein erneutes Versagen immer wahrscheinlicher wird. Das ist umso ärgerlicher, da die Leistung in der Prüfung nichts über die wahren Qualitäten des Fahrschülers als Autofahrer aussagen. Oft sind es gerade die schüchternen und zurückhaltenden Fahrschüler bzw. Fahrschülerinnen, die ihre Fahrlehrer regelmäßig in den Fahrstunden mit ihrer konzentrierten und bedachten Fahrweise überzeugen. Sie können diese in der Prüfung vor Angst nur schlicht nicht abrufen. In solchen Fällen kann es wohl kaum die Lösung sein, wenn solche Fahrschüler niemals die Prüfung ablegen und somit keinen Führerschein bekommen.

Tipps und Tricks für die Prüfung

Sehr oft ist es nicht mangelndes Können, die einen in der Fahrprüfung scheitern lässt sondern unsere Glaubenssätze. Hier sind einige zusammen gefasst, die zum Scheitern in der Fahrprüfung führen und was sich dagegen tun lässt.

  1. Der Prüfer mag mich nicht und lässt mich mit Absicht durchfallen

Dem Prüfer geht es hauptsächlich darum zu schauen, ob man sich im Straßenverkehr korrekt verhalten kann. Er weiß um die Nervosität bei Fahrschülern. Kleine Fehler können jedem vorkommen und führen nicht gleich zum Durchfallen. Wichtig ist es, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Es kann da hilfreich sein sich vorzustellen, als wäre man eigentlich nur im Auto mit seiner lieben, süßen Großmutter, die nichts als Lob für einen hat oder sich vorstellen, das Freunde auf dem Rücksitz jubeln. Wichtig ist es den Prüfer nicht als Feind zu sehen. Er ist ein Freund, der dafür sorgen will, dass alle Verkehrsteilnehmer sicher sind und ein Bote zu mehr persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit.

  1. Ich bin total aufgeregt und mache Fehler

Wer auf einen Fehler wartet macht ihn auch. Das ist so, als wenn man sich vornimmt nicht an einen rosa Elefanten zu denken und schon hat man das Bild im Kopf. Ansonsten ist es auch nicht schlimm, etwas aufgeregt zu sein. Die Fahrt geht schneller zu Ende und es fühlte sich ganz normal, wie eine Fahrstunde, wenn man mit sich selber nicht strenger ist als der Prüfer.

  1. Ich fahre dort lang, wo mein Prüfer das möchte

Natürlich gibt der Prüfer die Strecke vor. Doch auf ein paar Kleinigkeiten muss man selbst achten. Dazu gehört sich an einer Kreuzung richtig einzuordnen. Hat man sich bereits falsch eingeordnet, dann sollte man das ganz normal sagen. Weist der Prüfer an in eine Straße einzubiegen in der es nicht erlaubt ist, da entsprechende Schilder aufgestellt wurden, dann solltet man das dem Prüfer deutlich machen.  So wird deutlich, dass die Situation korrekt erkannt wurde, und eine neue Anweisung einfordern kann.

  1. Ich bin doch nicht zu schnell gefahren

Der Prüfer hat normalerweise den Blick auf den Tacho und kann erkennen bzw. abschätzen, wie schnell gefahren wird. Es sollte klar sein, dass man die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht überschreiten darf. Das kann zwar einige Fahrer hinter einen verärgern, aber diese müssen auch Rücksicht auf euch nehmen. Keinesfalls sollte wegen den Dränglern die Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten werden. Wichtig ist aber auch nicht so langsam zu fahren, dass man zu einem Verkehrshindernis wird.

  1. Ich stehe beim ersten Einparkversuch nicht korrekt

Wenn  es beim ersten Mal nicht klappt passend in die Lücke einzuparken, dann kann natürlich nachgebessert werden. Bei niemanden muss es sofort beim ersten Versuch klappen. Allerdings sollte man keine 5 Minuten brauchen, bis das Auto endlich eingeparkt ist.

  1. In unklaren Situationen lieber bremsen

Es gilt immer vorausschauend zu fahren. Wenn eine Stelle unübersichtlich ist oder die Situation unklar lieber bremsen und sich vergewissern was los ist.

  1. Die Prüfung ist zu Ende, wenn 45 Minuten vorbei sind.

Wenn die Prüfungsdauer (meist 30 bis 45 Minuten) rum ist, dann ist die Fahrprüfung zu Ende ist. Leider ein weit verbreiteter Irrtum. Die Prüfung ist zu Ende sei, wenn man bei der Prüfungsstelle wieder angekommen ist oder der Prüfer sagt, dass sie vorbei ist.

  1. Die Theoriefrage am Ende ist schwer

Am Ende jeder Fahrprüfung stellt der Prüfer noch eine Frage zur Technik bzw. dem technischen Umgang mit dem Auto. Hierfür empfehle ich die Wiederholung der Abstände im Straßenverkehr, sowie die Mechanik “unter der Haube”, und alles, was so mit dem Auto zu tun haben könnte. Die Beantwortung der Frage ist Teil der Prüfung, und sollte nach Möglichkeit korrekt sein.

Sich selbst die Hilfe wert sein

Eine Lösung bietet die professionelle Unterstützung im Vorfeld der Prüfung. Fahrschüler, die unter massiver Angst leiden, sollten sich gezielt Hilfe suchen. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, ganz im Gegenteil. Es ist Ausdruck der Gewissheit, sehr wohl alle geforderten Leistungen unter Extremsituationen abrufen zu können. Denn wer aufgrund seiner Prüfungsangst nur eingeschränkt leistungsfähig ist, muss das nicht als Schicksal annehmen. Jedem Menschen sollte das Recht zustehen, all seine Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können. Wer dabei Hilfe in Anspruch nimmt, beweist, dass er jede Gelegenheit ergreift, um sich selbst zu verwirklichen. Wer es sich wert ist, Hilfe anzunehmen, vergrößert seine Chancen auf Erfolg.
Viele Menschen, die unter Angst leiden, schämen sich allerdings für ihr Problem. Sie denken, dass sie alleine damit in der Welt stehen und dass die Panik Ausdruck ihres Unvermögens ist. Doch dieses Denken ist fehl am Platz. Aufregung, Angst und Nervosität vor einer wichtigen Prüfung wie der Führerscheinprüfung sind völlig normal – bei dem einen sind diese negativen Gefühle eben (sehr viel) schlimmer ausgeprägt als bei dem anderen.
Das hat aber in keiner Weise mit Versagen zu tun. Die negativen Impulse, die vor einer Prüfungssituation auftreten, sind fehlgeleitete (Flucht-)Instinkte. Körper und Geist empfinden die anstehende Situation als so drohende Gefahr, dass sie in eine Art Alarmmodus verfallen. Das hat uns in der Steinzeit vielleicht das Leben gerettet – in der modernen Zeit verbauen uns fehlgeleitete Angst und die damit verbundenen unangemessenen Fluchtinstinkte aber den Weg zum Erfolg. Deswegen sollten sich Betroffene unbedingt Hilfe suchen, um zu lernen, mit ihren Impulsen zu leben und diese in den Griff zu bekommen. Denn niemand muss mit dieser Einschränkung leben.

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2 Kommentare über “Führerscheinprüfung

  1. Ein sehr schöner Artikel, der sich gelungen mit den Ängsten von Prüflingen auseinandersetzt. Mein Cousin hat vor kurzer Zeit den Moped-Führerschein gemacht. Nachdem es nach zwei Anläufen noch nicht geklappt hatte, sind bei ihm ebenfalls solche Gedanken aufgekommen. Aber zum Glück hat es am Ende doch noch geklappt.

  2. Seit meiner Studentenzeiten habe ich Angst vor Prüfungen. Ich bin zwar sicher in meinen Fertigkeiten, aber die Knie zittern. Stimmt, es ist das Wichtigste, sich zu beherrschen und ruhig zu bleiben. Wenn ich nervös bin, mache ich Fehler. Hoffentlich klappt alles mit diesen Tipps und ich bekomme mein Führerschein! Vielen Dank!

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